
(Bild: Oannes Consulting GmbH, Tagung 29/30.04.2025 HSS)
Rückblick mit Weitblick
Vor knapp über 10 Jahren organisierte und koordinierte ich in Kooperation mit der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung eine mehrtägige internationale Tagung. Ihr Fokus: Themen, die heute als sicherheitspolitische Schlüsselfragen gelten – Cyberterrorismus, soziale Medien als Radikalisierungsplattform, hybride Kriegsführung und der zunehmende Einsatz von Drohnen in modernen Konflikten.
Bereits damals zeichnete sich ab, dass diese Entwicklungen keine abstrakten Zukunftsszenarien bleiben würden. Die Tagung skizzierte mit bemerkenswerter Präzision die Realität, der wir heute im Ukrainekrieg und im Nahen Osten gegenüberstehen.
Internationale Expertise und interdisziplinärer Dialog
An der Tagung nahmen hochkarätige Expertinnen und Experten aus Militär, Sicherheitsbehörden, Wirtschaft und Zivilgesellschaft teil – viele reisten aus Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Frankreich oder Großbritannien an. Gemeinsam wurde analysiert, wie die Digitalisierung eine neue Form der Kriegsführung ermöglicht: asymmetrisch, technologisch und global vernetzt.
Trotz meiner organisatorischen Verantwortung hielt ich selbst einen interdisziplinären Vortrag. Ich beleuchtete die Verflechtung von religiösem Extremismus mit technologischen Sprüngen: exponentiell steigende Rechenkapazitäten, sinkende Kosten in der Halbleiterindustrie, Miniaturisierung von Sensorik und die rasante Verfügbarkeit militärisch nutzbarer Drohnentechnologie.

(Bild: Oannes Consulting GmbH, Tagung 29/30.04.2025 HSS)
Technologiedemonstration: Vom Media-Markt-Modell zur Kampf-Drohne
Zur Veranschaulichung ließ ich während meines Vortrags eine handelsübliche Parrot-Drohne aufsteigen – ein Modell, das 2015 rund 300 Euro kostete. Heute ist es nicht einmal 5 Euro wert und wirkt gegenüber modernen FPV-Drohnen wie ein archaisches Spielzeug. Dieser Vergleich zeigt, wie rasant sich Technologien entwickeln – und wie wenig Politik und Gesellschaft darauf vorbereitet sind.
Technologischer Fortschritt in der Halbleiterindustrie ist nicht linear, sondern exponentiell: Zehn Jahre Entwicklung können aus sicherheitspolitischer Sicht einer menschlichen Lebensspanne von 50 Jahren entsprechen. Weitere fünf Jahre könnten einem Jahrhundert gleichkommen.

(Bild: Oannes Consulting GmbH, Tagung 29/30.04.2025 HSS)
Künstliche Intelligenz, Drohnen und politische Blindstellen
Der Zusammenhang zwischen KI und autonomer Kriegsführung war damals ein Kernthema meines Vortrags – auch gegenüber politischen Entscheidungsträgern. Ein Bild in meiner Präsentation zeigte den kritischen Schnittpunkt dieser Entwicklungen: Drohnen, die selbstständig Ziele identifizieren und verfolgen, gesteuert durch lernfähige Algorithmen.
Doch politisch blieb vieles unverändert – bis der Ukrainekrieg einen späten Weckruf darstellte.

(Bild: Oannes Consulting GmbH, Tagung 29/30.04.2025 HSS)
Das Paradoxon westlicher Technologie im Dienste autoritärer Regime
Das vielleicht erschreckendste Detail: In nahezu allen modernen Waffensystemen – von Marschflugkörpern bis hin zu den aktuellsten Shahed-Drohnen, die Russland aktuell einsetzt – werden Hochleistungschips westlicher Herkunft verwendet. Selbst die neuesten KI-gesteuerten Varianten russischer oder iranischer Drohnen basieren auf sogenannten MCUs (Microcontroller Units), die in westlichen Demokratien gefertigt wurden.
Diese Abhängigkeit ist nicht nur paradox, sondern politisch fatal. Wir könnten die Verbreitung solcher Schlüsseltechnologien deutlich besser kontrollieren – wenn der politische Wille vorhanden wäre.
Schlussfolgerung und Appell
Aus tiefer Überzeugung sage ich: Wir müssen die Ausfuhr kritischer Technologien – insbesondere Hochleistungschips – strikter kontrollieren, um autoritären Regimen nicht unbeabsichtigt zum technologischen Vorsprung zu verhelfen.
Doch dafür müssen politische Entscheidungsträger die Dynamiken besser verstehen. Sicherheitspolitik im 21. Jahrhundert bedeutet, technologische Entwicklungen vorauszudenken – nicht nur zu reagieren, wenn es bereits zu spät ist.