Vom Analogen zum Digitalen Propaganda- und Drohnenkrieg

(Titelbild: Oannes Consulting GmbH, Dezember 2015 – Aufnahme (Simon Jacob) Nordirak – IS Front)

Einleitung

Im Jahr 2016 veröffentlichte ich die erste Version dieses Artikels, der insbesondere aufgrund meiner Erfahrungen als Journalist in der digitalen Kriegsführung im Nahen Osten sowie meines Wissens als Manager in internationalen Technologieunternehmen verschiedene Aspekte hybrider Kriegsführung zusammenbrachte und manches, was heute passiert, vorausskizzierte. Seitdem hat sich die Technologie mit exponentieller Geschwindigkeit weiterentwickelt. Künstliche Intelligenz, Drohnen und die Versorgung mit elektronischen Bauelementen – insbesondere Hochleistungschips – müssen und werden Teil geostrategischer Überlegungen sein. Europa, und hier im Besonderen Deutschland, eine (noch) Exportnation, hat es in den letzten Legislaturperioden versäumt, wirtschaftlich, militärisch, wissenschaftlich sowie außenpolitisch die Naivität gegenüber globalen Playern (China, USA, Russland, Indien …) nach dem Kalten Krieg abzulegen. Nun zahlt man den Preis für die Ignoranz gegenüber der realen Welt und dem, was sich Politiker und Politikerinnen, unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit, in ihrem träumerischen Elfenbeinturm vorstellen. So verfügt die Bundeswehr meines Wissens bis heute über keine bewaffneten Drohnen. Angesichts des mit KI geführten Drohnenkrieges stellt dies eine fatale Entwicklung dar, die im Wesentlichen auf die äußerst unsinnige Blockadehaltung de SPD während der großen Koalition zurückzuführen ist. Genauso wurde die Gefahr der hybriden Kriegsführung massiv unterschätzt.

2015 organisierte ich in Kooperation mit der Hans-Seidel-Stiftung eine mehrtägige Tagung mit internationalen Experten, bei der die Themenschwerpunkte Cyberdschihad, hybride Kriegsführung, Drohnentechnologie und soziale Medien behandelt wurden. Alle Anwesenden waren sich einig, dass sowohl die Politik als auch die Medien (um die Gesellschaft auf das Kommende vorzubereiten) umschwenken müssen. Leider folgten keinerlei Maßnahmen. Politiker und Politikerinnen nahmen die Ergebnisse lediglich zur Kenntnis und machten weiter wie bisher.

(Bild: Oannes Consulting GmbH, April 2015 – Tagung HSS, Cyber-Jihad & Hybride Kriegsführung)

Die aktuelle „Nochregierung“, ein weiterer strategischer Fehler ungeahnten Ausmaßes, hat während der schlimmsten Energiekrise nach dem Zweiten Weltkrieg sechs völlig intakte Atomkraftwerke abgeschaltet. Leider werden erneuerbare Energien den Energiebedarf ganzer KI-Parks nicht decken können, um zukünftige intelligente Drohnenschwärme zu steuern, die die Sicherheit Europas aufrechterhalten sollen, um die fehlenden Soldaten und Soldatinnen zu kompensieren, die es bräuchte, um Europa in die Lage zu versetzen, sich gegen Angriffe zu wehren. Es sei denn, man verlässt sich auf die KI-Kapazitäten der USA, was man besser unterlassen sollte.

Lektionen aus der Geschichte: Mongolische Kriegsstrategie

Im Jahr 1251 marschierte Hülegü, der Bruder des mongolischen Großkahns Möngke, nach Bagdad, um das muslimische Reich der Abbasiden zu zerstören. Der Kalif al-Mustasim unterschätzte die militärische und psychologische Strategie der Mongolen. Diese nutzten nicht nur ihre zahlenüberlegenen Truppen und technologisches Know-how – bereitgestellt von chinesischen Ingenieuren –, sondern setzten auch auf gezielte psychologische Kriegsführung.

Die Mongolen verbreiteten vor Angriffen gezielt Angst und Schrecken. Gefangene wurden enthauptet und ihre Köpfe in die feindlichen Befestigungen geschleudert. Ganze Städte wurden zerstört, die männliche Bevölkerung massakriert, Frauen systematisch misshandelt. Überlebende wurden mit klaren Botschaften zurückgeschickt: „Ergebt euch, oder ihr werdet vernichtet.“

Diese Propagandastrategie war von brutaler Effektivität und diente später als Vorlage für Terrororganisationen wie den sogenannten „Islamischen Staat“ (IS). Mit der technologischen Revolution hat diese Form des asymmetrischen Propagandakriegs eine neue Dimension erreicht. Heute wird ähnliche psychologische Kriegsführung über soziale Medien und digitale Plattformen betrieben, mit einer Geschwindigkeit und Reichweite, die historisch beispiellos ist.

Digitaler Asymmetrischer Konflikt: Gegenwart und Zukunft

Der Begriff des „Digitalen Asymmetrischen Krieges“ beschreibt die Transformation klassischer Konflikte in den digitalen Raum. Dieser Wandel begann Anfang der 2000er Jahre mit der viralen Verbreitung von Videos und fand einen ersten Höhepunkt in der medial inszenierten Gewalt dschihadistischer Gruppen. Die Digitalisierung der Kriegsführung hat inzwischen alle gesellschaftlichen Bereiche durchdrungen.

Technische Dominanz der USA

Im Februar 1993 erklärte der damalige US-Präsident Bill Clinton das Internet zur zentralen Infrastruktur für Wirtschaft, Bildung und Kultur. Europa hinkte damals hinterher. Die Datenübertragungsgeschwindigkeit war begrenzt, aber der technologische Fortschritt – von ISDN über DSL bis hin zu Glasfaser – legte den Grundstein für die heutige digitale Vernetzung.

Die massive Verbreitung digitaler Technologien ermöglichte nicht nur den Arabischen Frühling, sondern auch den Aufstieg hybrider Kriegsführung. Messenger-Dienste wie WhatsApp und Telegram, kombiniert mit sozialen Medien wie Facebook und Twitter, erlaubten es, in Echtzeit Desinformationen zu verbreiten und Meinungen zu manipulieren.

Politische Konsequenzen der Digitalisierung

Die US-Präsidentschaftswahlen 2016 sind ein Paradebeispiel für den Einsatz digitaler Werkzeuge im politischen Kontext. Donald Trump nutzte soziale Medien wie Twitter, um täglich mit Millionen Menschen zu kommunizieren. Diese direkte Kommunikation untergrub traditionelle Medien und bewies die Mächtigkeit von digitalen Plattformen. Der begleitende Einsatz von Trollen und Bots führte zu einer Polarisierung der Gesellschaft, die weitreichende Konsequenzen hatte.

Ähnlich verändert sich die politische Landschaft in Europa. Das Video „Die Zerstörung der CDU“, veröffentlicht kurz vor der Europawahl 2019, ist ein Beispiel für digitales Guerilla-Marketing. Die mangelnde digitale Kompetenz etablierter Parteien zeigte, im Gegenteil zur AfD, wie unvorbereitet sie auf die Herausforderungen des digitalen Zeitalters waren.

Ausblick

5G, 6G und die steigende Rechenleistung moderner Prozessoren markieren den Beginn einer neuen digitalen Revolution. Diese bahnbrechenden Technologien eröffnen ungeahnte Möglichkeiten, bringen jedoch auch erhebliche Risiken mit sich. Virtuelle Realität, künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge werden unsere Kommunikationsweise, Arbeitsprozesse und sogar die Austragung von Konflikten grundlegend verändern. Insbesondere die Kombination von KI und kostengünstigen, hochwirksamen Schwarmdrohnen wird von zentraler strategischer Bedeutung sein – mit tiefgreifenden Auswirkungen auf Sicherheit, Wirtschaft und Gesellschaft.

Die Politik muss die Digitalisierung proaktiv gestalten, um nicht nur auf neue Bedrohungen zu reagieren, sondern auch Chancen zu nutzen. Eine Demokratisierung des Wissens und eine effektive Regulierung digitaler Plattformen sind essenziell, um die Kontrolle über diesen Wandel zu behalten. Andernfalls droht die Zukunft von politischen und gesellschaftlichen Instabilitäten geprägt zu sein.

Die Geschichte lehrt uns, dass technologischer Fortschritt sowohl Fluch als auch Segen sein kann. Die Aufgabe der Gegenwart ist es, ihn für den Fortschritt der Menschheit zu nutzen – und nicht zu ihrem Verderben.

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